Langfristverordnungen für Therapien: Direkter Antrag bei der Krankenkasse möglich!

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Chronisch schwer erkrankte Menschen benötigen oft Ergo- oder Physiotherapien über einen längeren Zeitraum. Dies gilt für Schlaganfallpatienten genauso wie für Krebspatienten, Chronisch Psychisch Erkrankte oder Unfallopfer. Gleichzeitig haben jedoch die meisten Arztpraxen ein großes Problem, Verordnungen für diese Therapien über einen längeren Zeitraum auszustellen. Denn die Budgets der Arztpraxen sind schneller überlastet als wir Laien ahnen. Und die Krankenkassen holen die Kosten direkt von den behandelnden bzw. verordnenden Ärzten zurück (Regress).

Inzwischen gibt es einen Ausweg für Ärzte und deren betroffene Patienten:
Seit Juli 2011 können Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse eine Langfristverordnung beantragen. Basis dafür ist eine neue Regelung in der Heilmittelrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). Voraussetzung: Sie sind dauerhaft schwer erkrankt und benötigen zum Beispiel Ergo- oder Physiotherapie, aber auch Lymphdrainage über einen längeren Zeitraum. Idealerweise können Sie dies sogar belegen (z.B. über Atteste, Berentung, Gutachten). Selbstverständlich benötigen Sie auch die Unterstützung Ihres behandelnden Arztes, der die Notwendigkeit der langfristigen Therapie begründen sollte. Angst vor Rückforderungen muss er laut der UPD seit dem neuen Versorgungsstrukturgesetz (Anfang 2012) nicht mehr haben.

Laut der UPD funktioniert die neue Regelung in der Praxis jedoch leider noch nicht so reibungslos wie erhofft. Als Grund nennt Barbara Thöde, Ärztin der UPD, die (noch) fehlenden Umsetzungsbestimmungen.

Die UPD rät Betroffenen daher zu folgendem Vorgehen:

a) Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt, ob er die Regelung im Versorgungsstrukturgesetz in Hinblick auf Langfristverordnungen kennt.
b) Besprechen Sie mit ihm, ob er für Sie eine Therapie mit einer langfristigen Verordnung (z.B. über ein Jahr) für sinnvoll hält.
c) Bei einer positiven Aussage bitten Sie ihn um die medizinische Bescheinigung. Hier reicht schon eine Heilmittel-Verordnung aus, auf der Ihr Arzt kurz begründet, warum eine längerfristige Therapie notwendig ist.
d) Stellen Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse einen formlosen Antrag, dem Sie die medizinische Bescheinigung (und eventuell andere Atteste) beilegen. Angehörige von Patienten brauchen darüberhinaus eine Vollmacht, die sie zusammen mit dem Antrag einreichen.
e) Was positiv ist: Die Kasse muss über den Antrag schnell - und zwar innerhalb von vier Wochen - entscheiden. Ansonsten gilt die Genehmigung nach Ablauf der Frist als erteilt.

Weitere Tipps zur Antragstellung finden Sie in folgendem Beitrag: Antragstellung - was muss ich beachten?


Quellen: UPD: Schwer chronisch krank - wer zahlt die Therapie?, HausArzt Aktuell 4. Quartal 2012


2 Kommentare

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Das neue Verfahren ist ja eigentlich zur Erleichterung von Ärzten und Patienten gedacht - und zur Entlastung der Bürokratie.

Inzwischen wurde mir jedoch bewusst, dass manche Patienten dies auch als "Rausschmiss" bzw. "Abwimmeln" empfinden können, wenn ihnen von den behandelnden Ärzten nicht erklärt wird, warum eine Langfristverordnung sinnvoll und notwendig ist. So habe ich von einer Freundin gehört: "Die will mich nicht mehr. Die will mich loswerden.", als sie mir erzählte, dass ihre Fachärztin die Ergotherapie nicht mehr auf dem normalen Weg verlängern will, sondern eine Langfristverordnung vorschlägt. Ich brauchte eine Weile, um sie wieder zu beruhigen und sie davon zu überzeugen, dass dies ganz sicherlich nicht der Fall sei.

Daher eine Bitte an alle lesenden Behandler und Behandlerinnen:

Nehmen Sie sich die Zeit und machen Sie transparent, warum eine Langfristverordnung sinnvoll ist - auch wenn der oder die Patient/in erst einmal wieder einen Antrag an die Krankenkasse stellen muss (für viele chronisch Kranke sind diese Anträge ja oft ein Albtraum). Und sagen Sie ihm klar, dass die Langfristverordnung nicht an der Arzt-Patienten-Beziehung ändert! Damit können viele unnötige Missverständnisse vermieden werden.

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Weitere detaillierte Informationen über die Regelungen zur Langfristverordnung finden Sie hier.