Ein wichtiger Artikel, der m.E. viele angeht: Denn immer noch werden Beruhigungs-, Schlaf- und starke Schmerzmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine zu lange eingenommen, zu lange verschrieben - und die Suchtgefahr von Arzt und bzw. oder Patient zu häufig missachtet. Hierzu gehört übrigens auch Tetrazepam, ein Schmerzmedikament, das vielen Patienten auch bei Bandscheibenvorfällen, starken Rückenschmerzen und Verspannungen etc. verschrieben wird.
Wichtig finde ich noch einmal zu betonen, dass diese sogenannte Benzodiazepine nur für Akutsituationen, und nicht für den Dauergebrauch geeignet sind, da das Abhängigkeitspotenzial zu hoch ist und je nach Stärke bereits nach einigen Tagen bzw. wenigen Wochen eintreten kann. Leider lese oder höre ich jedoch immer wieder von Menschen, die solche Medikamente für Prüfungs - oder berufliche Stresssituationen nutzen (kein Wunder, wirkt doch alles dann so "leicht") - und somit langfristig in einen Teufelskreis geraten. In manchen Kreisen werden sie als Drogenersatz benutzt. Eine Entgiftungskur dauert laut "Spiegel" ca. sechs Wochen.
Ich selbst benötige diese Art von Medikamenten in Akutfällen aufgrund meiner Krankheit . U.a. um heftige Krampfanfälle zu verhindern oder zu lindern - eine Notfalltablette muss ich daher immer bei mir haben. Seit Jahren bin ich gewohnt, sie in der Handtasche zu haben - ein paarmal im Jahr benötige ich sie auch wirklich. Es gab Zeiten mit stärksten Krämpfen und Schmerzen, in denen muss(te) ich dieses Medikament über einige Tage/Woche einnehmen - jedoch immer mit engmaschiger ärztlicher Kontrolle und mit einem Ausschleichplan. Aber durchgehend einnehmen? Nie im Leben!
Hier kann ich mich nur bedanken, dass ich von Anfang an bewusst und diszipliniert an die Medikation herangeführt wurde. Bedanken kann ich mich bei einem verantwortungsvollen Arzt, der mich immer über die notwendigen Medikamente und ihre Nebenwirkungen aufklärt. Gleichzeitig danke ich mir für meine - manchmal vielleicht überkritische - Sichtweise in Bezug auf Medikamente und ihre Notwendigkeit.
Passen Sie auf sich auf!
Hi,
dazu passt eine neue Studie zum Thema "Doping im Job". Die Erhebung wurde von der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) initiiert. Danach wurden jedem Fünften (!) nach einer bundesweiten Umfrage im Auftrag der DAK leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit empfohlen worden - vor allem von Kollegen oder Freunden. Männer nehmen laut dieser Studie eher aufputschende und konzentrationsfördernde Mitteln, Frauen bevorzugen beruhigende und stimmungserhellende Präparate.
Quellen: dpa, Die Welt am 17. April 2009
Zu dem Thema ist in der aktuellen "Brigitte" ein sehr interessanter Beitrag zu lesen - wiederum macht er auf die Gefahr der "Benzos" aufmerksam, zeigt auch das Problem auf, dass immer mehr der medikamentensucht-auslösenden Medikamente auf Privatrezept verordnet werden - und so zumindest durch die Krankenkassen der Misssbrauch nicht mehr überprüft werden kann.
Einen Test, der aufzeigt, inwiefern Sie jetzt schon gefährdet sein könnten, finden Sie hier:
www.Brigitte.de/benzo-test
Hi,
vielleicht hilft das einigen zusätzlich weiter: Auf der Traumastation, auf der ich gerade die letzten Woche verbrachte zwecks Intervalltherapie, sind "Benzos" so gut wie nicht erlaubt. D.h. wer dort behandelt werden möchte bzw. in der Traumatherapie weiterkommen möchte, muss vorher diese nur (noch) für Notfälle nutzen.